Die Schulung meiner Begabungen fand hier statt:

in X50 in Schkopau von 1969 - 1982

Hier lernte ich tanzen und malen und schreiben, hier war meine Bibliothek. Hier ging ich ins Theater mit meiner Schulklasse. Hier waren meine ersten Bilder ausgestellt. Hier fanden meine ersten Auftritte statt. Hier lernte ich Schriftsteller kennen wie Franz Fühmann, Fred Rodrian, Hiltrud Lind u.v.a. Hier atmete ich den Duft von Bühne und Theater, von Orchester, von Farben und Büchern, den Duft von Schweiß, wenn wir uns ins Zeug legten. Hier hörte ich erstmals die Puhdys ... Hier fanden viele meiner bewegendsten Momente meines Lebens statt. Hier schloss ich Freundschaften, fand Verbündete, Freundinnen und Lehrer, ohne die ich nicht die wäre, die ich heute bin, ohne die meine Bilder andere wären, mein Ausdruck ein anderer. 2- 3 Nachmittage in der Woche verbrachte ich hier über 13 Jahre meines Lebens.  Noch heute, nach über 34 Jahren, sehe und  fühle ich die Atmosphäre dieses Hauses, höre ich seine Geräusche, rieche den Duft von Schminke, spüre die Aufregung vor den Auftritten, die Anspannung, höre den Beifall, erlebe die Freude ... Ich spüre ein Lachen, denn in mir ist dieser Ort lebendig und lebt auf diese Weise weiter, auch wenn er heute - wie im Video zu sehen - verfallen ist. Doch aus mir heraus blüht er weiter mit dem, was ich tue und weitergebe ...

An dieser Stelle möchte ich meinen Lehrern danken in der Reihenfolge wie sie in mein Leben traten: Ottilie Pohle, meine Tanzlehrerin; Ilse-Maria Krause meine erste Mallehrerin mit dem großen Herzen für Kinder und die Kunst; Siegfried Werner, mein zweiter Kunstlehrer, bei dem ich all die Mal- und Zeichentechniken erlernte und der mein Auge schulte, zu sehen, was nur ich so sehen konnte; Ursula Metz, die mir die Liebe zur Literatur nahe brachte und dafür sorgte, dass ich jede Menge Schriftsteller und Illustratoren kennen lernte, die Leipziger Buchmesse schätzen lernte und die unsere Reisen zu  Verlagen organisierte. Ich grüße all jene Menschen, die hier mit mir - an diesem Ort - sich der Kunst widmen durften. Ich bedauere zutiefst den Verfall dieses ehrwürdigen  Hauses, aus dem viele berühmte Künstler hervorgegangen sind und so viele Menschen, die hier ihre Herzen füllen konnten.  DANKE an all jene Menschen, die diesen inneren Reichtum erschaffen haben und am Leben hielten, solange dies möglich war.