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Die reiche Saat meiner SchreibLust

epi.logisch

Dieser Blog.Artikel ist entstanden, inspiriert von Gabi Kremeskötter und durch ihren Aufruf zur Blogparade: Warum schreibst Du?  Ein dickes Dankeschön an sie. Sonst hättest Du es nie erfahren, woher die reiche Saat meiner SchreibLust kommt.
Danke auch an Dich und für Dich, verehrte Leserin, verehrter Leser und verehrtes Lesedrin!
Mag sein, meine Lust, zu schreiben resultiert aus dem "Nomen est omen." denn:
Ich bin eine geborene 'Klappauf'. Also riskiere ich in meinen Texten durchaus auch einmal 'ne große Lippe, wenn es sein muss und darauf ankommt.
AUF DIE BLÖGGE - FERTIG - ES GEHT LOS!!!

 

Schreiben war mir schon immer eine Lust, selbst Schönschreiben


UND: Ich liebe WortSpielereyen,
wie Du unschwer an meinem gewählten Bild ersehen kannst.

Und irgendwie erfasst das, was Du da liest, auch das tiefer liegende Motto all meinen Schreibens. Das was fernliegt, nahe zu bringen.
Das, was scheinbar fern liegt, ist das, woran man eher nicht denkt, es nicht einbezieht, es Außen vorlässt, weil ... ja, weil man es einfach nicht (besser) weiß, nicht einmal ahnt, es nicht in Erwägung zieht, weil es unwägbar ist, eben fern liegt und nicht nah, obwohl - wenn man es dann weiß - ist es sowas von naheliegend, dass man aus dem Staunen gar nicht mehr heraus kommt, dass es einem jemals fern sein konnte. So spielt es im Leben. Manches taucht in den Kanal des Vergessens, um den erlebten Schmerz zu lindern und uns fürderhin vor zu großem Schmerz zu schützen.

Tauchen wir jedoch tief hinab in die vergessenen Erinnerungen, bergen wir dann oft große Seelenschätze. Die Dinge ent.wickeln sich eben oft im Verborgenen, unbemerkt, unbeachtet.
So sitzt am Ende jeder von uns auf seiner Schatztruhe des Lebens. Es lohnt sich, glaube mir,
nach ihr zu tauchen und sie zu bergen.


Am liebsten schreibe ich mir Lebensthemen 'von der Leber weg'. Das ist sowas von befreiend und vor allem: erkenntnisreich. Jedes Mal entdecke ich etwas Neues. Doch nicht alles was ich schreibe, kommt aus dem tiefsten Inneren von mir. Vieles schreibt sich mir durch Geist und Herz und Hand. Ich kann also oft gar nichts dafür!!! - lol - Es ist, als würde es mir eingeflüstert und schreibend gehorche ich. Ich höre sehr gern zu. Auch die Geschichten von Menschen interessieren mich. Von den Geschichten der Menschen lerne ich so viel über das Leben und wie Menschen "ticken". Es ist meine ganz eigene Art, Menschen kennen zu lernen. Ich höre ihnen zu und dabei höre ich auch, wie sie etwas sagen. So erhört sich mir aus der Dissonanz, die zwischen dem gesprochenem Wort und  der Stimme, die die Worte trägt, an welchen Stellen sich jemand selbst belügt, ohne es selbst zu bemerken. Die Ohren sind mir ebenso ein wichtiges Werkzeug, ehe die Hand schreibt. Sie erhören das Lebendige, das Beseelte der Stimme. Doch es ist auch viel, manchmal zu viel für mich, was meine lauschenden Ohren so 'am Wegesrand' alles mithören. Dann erschöpft es mich, weil ich es fühlend mit durchlebe. Dann ziehe ich mich oft zurück und in diesem mich Zurückziehen, greife ich zum Stift oder zur Tastatur und schreibe, um das "Zuviel" meiner Seele zu entreißen und es neu zu erschaffen. 


Auch deshalb schreibe ich, um nicht an den vielen Worten und Gedanken um mich her zu ersaufen. Vielleicht sind aus diesem Grunde so viele Künstlerseelen auch Trinker? -  Ich weiß es nicht. Ich ahne nur, vermute. :-) 
Dann gibt es noch diesen schreibsamen Weg in mir.
Das ist (m)ein Weg, der voller Samen ist. Der entsteht, wenn mich etwas lange beschäftigt und
es sich in mir nur so dreht und wendet, bis so etwas wie ein entscheidender Input (Samen.Impuls) kommt und der ersprießt sich dann aufs Papier und ich staune dann oft, welchen Rattenschwanz er hinter sich her trägt. Einen Rattenschwanz voller Erkenntnisse, die ich ohne ein streitbares Gespräch, ohne ein bestimmtes Problem, so niemals hätte entdecken können in der Seelen.Botanik des Lebens. 


Worte mag ich gerne, denn sie können sich so kunstvoll, so diffizil, so punktgenau setzen und modulieren lassen, dass es einem ganz heimelig wird. Wörter sind feinstes Material für feinste Poesie und auch für derbe Prosa. Worte sind tiefsinnig und feinsinnig. Wenn wir ein Synonym suchen, so ist das eine wahre Kunst von den scheinbar vielen Wörtern, die scheinbar alle das Gleiche meinen, das EINE heraus zu suchen, welches - in der Tat  - den Umstand so präzise erfasst, dass man es förmlich im und am ganzen Leibe fühlen kann.
 "Und triffst Du nur das Zauberwort."
Wir Frauen könnten Bände dazu verfassen, wie sehr man(n) mit einem Wort zutiefst daneben liegt und uns mitten in unser Herz trifft, mit einer Formulierung, die an Ungeschicklichkeit nicht zu übertreffen ist und die zutiefst unsere schlimmsten und geheimsten Wunden schamlos blutend ans Tageslicht zerrt. Doch auch mit Worten, die uns ebenso tief ins Herz treffen und alles in uns löst sich auf, gibt sich hin ins Leben, ins Beseelende, Erlösende, ans Eins.Seiende.
Worte mit ihrer ganzen, vollumfänglichen Macht. Zauberworte. Heilsame Worte. Kraftvolle Worte, Worte, denen man nicht widerstehen kann. Und das fasziniert mich und lässt mich schreiben. Und, es macht mir auch angst, mit Worten so mächtig sein zu können. Deshalb schreibe ich auch lange Zeit nichts. Bleibe unsichtbar, unerhört ungehört.

 

'Schuld' an meiner Schreibinfektion ist übrigens meine DeutschLehrerin Frau Köhler. Einer meiner ersten Aufsätze, die ich bei ihr in der 5. Klasse schrieb, war ein Aufsatz über die Freundschaft. Wir sollten ihn als Hausaufgabe schreiben. Ich tat es und gab ihn ab. Als ich ihn wieder bekam, stand in roter Tinte neben der Eins eine Frage: Wer hat geholfen? Ich erinnere, dass sie die Frage auch laut und somit ganz öffentlich in die Klasse hinein stellte: "Wer hat geholfen?" - Da ich schüchtern war, errötete ich, als ich sagte: "Den habe ich ganz alleine geschrieben. Mutti hat nur die Rechtschreibung kontrolliert." - Diese aufsteigende Röte in meinem Gesicht war aber nicht nur meiner Schüchternheit, sondern auch einem, in diesem Augenblick erwachten Stolz geschuldet. Ich begriff an dieser Stelle, dass ich etwas außergewöhnlich gut gemacht hatte. Von da an bekam ich immer Einser in allen meinen Aufsätzen bis zur Klasse Dreizehn. Da war Frau Köhler schon längst nicht mehr meine Deutschlehrerin. Das war also der ermutigende Impuls.Samen, der sich Saatkorn für Saatkorn, also Aufsatz für Aufsatz entwickelte und meine Lust zum Schreiben antrieb. Bis heute braucht es auch diese beiden Impulse: Anerkennung und einen ThemenImpuls von außen. 


Was es mir zudem erleichterte, meiner Lehrerin zu folgen, war, der ästhetische Ausdruck ihrer Erscheinung.  Frau Köhler war für mich ausgesprochen schön. Sie trug außergewöhnlich elegante Kleidung, hatte klappernde goldene Armreifen, die wir  bei jeder ihrer Handbewegungen klimpern hörten und es waren ihrer viele Handbewegungen! Ihre kunstvoll aufgesteckte Frisur mit den obligatorischen Korkenzieherlocken links und rechts die ihre feinsinnigen kleinen Ohren preisgaben, ihre perlmuttrosa lackierten, spitzen Fingernägel, ihr modischer Kleidungsstil - alles passte perfekt abgestimmt zusammen und sah wunderschön aus. Sie war streng und sie mochte mich. Ich liebte die deutsche Sprache und etwas exakt zu schreiben, es ausdrucksstark zu formulieren und außergewöhnliche Gedanken vorzutragen. Das ist bis heute geblieben. Vielleicht auch durch diesen unterstützenden äußeren Anblick, den sie mir bot, wenn wir Deutschunterricht hatten.

 

Später, wenn ich mit Freundinnen erzählte oder meine geheimen Gedichte vortrug, so sagten sie immer wieder: "Du musst ein Buch schreiben." - "Schreib ein Buch!" oder auch: "Schreib endlich einen Roman über Dein Leben. Es ist so interessant, was Du zu sagen hast! Dein Blick auf die Dinge, Deine Weisheit, Deine Erfahrungen, Dein Leben, wie Du alles so trefflich formulierst, wo mir die Worte dafür fehlen.

Nun ja, die Sache ist so - Achtung, Metapher! - Ich bin zwar immer eine extrem gute Langstrecken-läuferin gewesen und keine so gute Kurzstreckensprinterin, doch beim Schreiben ist es geradezu umgekehrt. Kleine Texte liebe ich. Keine Romane bitte!!! - Da fehlt mir der lange Atem.

 

Es langweilt mich, auf etwas hinzustreben, wo sich alles analog treffen muss am Ende. Ich denke und erfahre das Leben eher in Fraktalen, die alle miteinander verbunden sind wie ein Netz. Doch es gibt keine geradlinige Analogie darin, wie sie ein Roman erfordert. So sehr ich es auch liebe, Romane zu lesen, es ist mir nicht gegeben, einen zu schreiben. Also blogge ich lieber. Und Dir das alles jetzt einmal geschrieben zu haben, es mit Dir teilen zu können, erleichtert mich unendlich.

 

Denn der von meinen Freundinnen erwünschte und erhoffte, der ersehnte Roman, er darf nun ungeschrieben bleiben und das ist schön. Erleichternd schön. Genauso schön wie schreiben. Ich blogge dann mal wieder weiter im Kurzstreckensprint.
Und zu den Fraktalen scheibe ich ein nächstes Mal.

 

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Den ersten Kalender, der nach dem Mond geht

Klicke und Du kannst dort einmal einsehen, worum es geht und Dir ein Bild machen und bestellen. Fängt eigentlich an Samhain an - Mitte November 2023.
Wir haben aber mal schon mit dem nächsten Vollmond (28.10.) begonnen.

 

Mein herzliches Dankeschön an Dich
Nana Mara Susanne

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Gabi Kremeskötter (Dienstag, 24 Oktober 2023 19:52)

    Liebe Nana Mara Susanne,
    ich habe noch nichts von dir gelesen, umso mehr freut mich heute deine Teilnahme an meiner Blogparade zum Thema "Warum schreibst du?"
    Wir beide kennen das Gefühl, gedanklich überzulaufen und haben das Schreiben für uns als Feuerlöscher, zu füllenden See und Ausdruck unseres Selbst entdeckt, entwickelt und kultiviert.
    Genau wissen, was wie formuliert werden soll, ist ein Talent und herzlichen Glückwunsch von meiner Seite zu dem deinen!
    Teilen und Wertschätzung erfahren... gar nicht so schwer, wer sich traut und "macht".
    Ich liebe alle Arten von Texten, ob kurze Gedichte, Kurzgeschichten oder auch ein Buch, zwei sind´s inzwischen geworden.
    Womöglich machst du einfach eine Kurzgeschichtensammlung, die ein roter Faden verbindet und deine Freundinnen werden eines Tages doch noch glücklich gemacht von dir... lach... aber du hast vollkommen Recht:
    Alles darf, nichts muss, also folgst du sowieso deinem eigenen Schreibduktus...
    Macht Spaß zu lesen!
    Liebe Grüße
    Gabi

  • #2

    Christine aka Frau vom Main (Mittwoch, 25 Oktober 2023 09:06)

    Wow � was für ein einfühlsamer Text. Mit so vielen unterschiedlichen Geschichten!
    Ich kann beim Lesen spüren, wie es Dir über den Arm, durch die Finger aufs Papier oder in die Tastatur fließt. Dicht, tief, empfindsam - sehr schön!
    Gerne mehr davon!

  • #3

    Nana Mara Susanne (Donnerstag, 26 Oktober 2023 11:59)

    Liebe Frau vom Main - wie gefällt mir das!!! -
    Hallo, Christine -

    Dein Kommentar und ein weiterer haben mir heute ein Wunder vor Augen geführt. Ich war gerade dabei, etwas zu erledigen, was mir unglaublichen Stress bereitete - eigentlich ne einfache Sache. Und während ich damit beschäftigt war, DAS zu tun gegen den fühlbaren inneren körperlichen Widerstand, mein Körper lief förmlich "amok" und ich konnte diese äußerst unangenehme Befindlichkeit nicht stoppen, musste ich an meine Emails und fand dort eine Anzeige, dass ich Kommentare auf meinen Blogartikel habe - Ganz neugierig öffnete ich und las und es wurde mir warm ums Herz. Beim Lesen durchstrahlte es mich. Da war etwas angekommen von dem, was ich schrieb. Ich hatte damit Berührung erschaffen und dieses berührt Sein floss direkt zu mir ins Herz zurück. Mein Körper war schlagartig befreit. Ich konnte wieder handeln ... alles ging nun einfach. Danach hatte ich ein Kurzcoaching zum Thema, was mich aufhält zu tun und was mein Tun in Bewegung bringt. So hatte ich ein unmittelbares Erlebnis, eine Erfahrung vorweg, die mir half, zu erkennen. Danke. Du hast mir diese Erfahrung ermöglicht hast, ohne es bewusst zu wollen.
    Das Erkennen zu dürfen heute, ist für mich ein Wunder. Ich blogge nun weiter.
    Danke an Dich unbekannterweise.
    Nana Mara Susanne

  • #4

    Nana Mara Susanne (Donnerstag, 26 Oktober 2023 12:08)

    Liebe Gabi,

    meine Antwort an die Frau vom Main gilt im Grunde auch für Dich.
    und für Dich mag ich noch hinzufügen:
    Danke für Deine Worte, Dein Sehen und Deine Anregung zum Roten.Faden.Buch für meine Freundinnen und andere Lesefreudige. "... das Schreiben für uns als Feuerlöscher, zu füllenden See und Ausdruck unseres Selbst entdeckt, entwickelt und kultiviert." - Diese Bilder von Dir gefallen mir gut und ich nehme sie gern zu mir.
    Ja, das Schreiben löscht in der Tat ein brennendes Feuer in mir und füllt die ausgetrockneten Seen vieler Menschen.Seelen, um es einmal zu erweitern.
    Das dürfen wir kultivieren, jetzt, da wir es entdeckt und im Schreiben ent.wickelt haben.

    Danke, Du bist mir eine wert.volle Inspi.Ration.
    Nana Mara Susanne